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Ratgeber

Was leistet die private Unfallversicherung?

Die private Unfallversicherung zahlt, wenn ein Unfall zu dauerhaften körperlichen Beeinträchtigungen führt – rund um die Uhr, weltweit und unabhängig davon, ob Sie beruflich oder privat unterwegs sind.

Warum eine private Unfallversicherung?

Die gesetzliche Unfallversicherung greift nur bei Arbeits- und Wegeunfällen – doch rund 70 % aller Unfälle ereignen sich in der Freizeit, beim Sport oder zuhause. Genau hier setzt die private Unfallversicherung an: Sie zahlt eine Invaliditätsleistung, wenn ein Unfall zu einer dauerhaften körperlichen Beeinträchtigung führt.

Die Auszahlung erfolgt als Einmalzahlung oder wahlweise als Unfallrente. Das Geld hilft, das Leben an die neue Situation anzupassen: barrierefreier Umbau, Hilfsmittel, Umschulungen oder einfach finanzielle Sicherheit für die Familie.

💡 Wichtig zu wissen

Die Unfallversicherung ist kein Ersatz für eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Sie zahlt nur bei Unfällen, nicht bei Krankheiten. Beide Produkte ergänzen sich ideal.

Aktiver Mensch – Unfallversicherung

Das ist versichert

Typische Leistungsfälle

  • 🤴Sturz vom Fahrrad oder beim Sport
  • 🛠️Unfall bei Heimwerker- oder Gartenarbeiten
  • 🚗Verkehrsunfall als Fußgänger oder Radfahrer
  • 🏖️Unfall im Urlaub oder auf Reisen (weltweit)
  • 🏠Sturz im Haushalt oder auf der Treppe
  • 💪Sportunfall beim Hobby (je nach Tarif)
  • 👶Kinderunfälle in Schule, Kita und Freizeit

Das ist nicht versichert

Typische Ausschlüsse

  • 🤒Krankheiten und Gebrechen (kein Unfallzusammenhang)
  • 🧠Psychische Erkrankungen nach Unfall (oft ausgeschlossen)
  • ⚖️Vorsätzliche Selbstverletzung
  • 🏋️Bestimmte Extremsportarten (je nach Tarif)
  • 💉Schmerzensgeld (kein Bestandteil der UV)
  • 💼Berufsunfähigkeit durch Krankheit (→ BU-Versicherung)

Leistungen

Die wichtigsten Leistungsbausteine

Eine gute Unfallversicherung bietet weit mehr als nur eine Einmalzahlung. Diese Bausteine sollten Sie kennen.

💰

Invaliditätsleistung

Das Herzstück der Unfallversicherung: Eine Einmalzahlung bei dauerhafter körperlicher Beeinträchtigung. Die Höhe richtet sich nach dem Invaliditätsgrad und der vereinbarten Versicherungssumme.

💡 Achten Sie auf eine hohe Versicherungssumme (mind. 100.000 €) und eine gute Progression.
📊

Progression

Die Progression erhöht die Auszahlung überproportional bei schweren Invaliditäten. Bei 225 % Progression und 50 % Invalidität erhalten Sie z. B. das 2,25-fache der Grundsumme.

💡 Empfohlen: 225 % oder 350 % Progression für optimalen Schutz bei schweren Unfällen.
💳

Unfallrente

Statt einer Einmalzahlung kann eine monatliche Rente vereinbart werden – ab einem bestimmten Invaliditätsgrad (meist ab 50 %). Ideal für langfristige Absicherung des Lebensunterhalts.

💡 Sinnvoll als Ergänzung zur Invaliditätsleistung, besonders für ältere Versicherte.
🏥

Krankenhaustagegeld

Tägliche Zahlung für jeden Krankenhaustag infolge eines Unfalls. Deckt Mehrkosten ab, die die Krankenkasse nicht übernimmt (z. B. Zuzahlungen, Komfortleistungen).

💡 Typische Leistung: 20€ bis 100€ pro Krankenhaustag.
🚑

Bergungskosten

Übernahme der Kosten für Rettungs- und Bergungseinsätze nach einem Unfall – z. B. Hubschrauberrettung im Gebirge oder auf See. Diese Kosten können schnell mehrere Tausend Euro betragen.

💡 Besonders wichtig für Bergsport, Tauchen und Auslandsreisen.
🔧

Kosmetische Operationen

Kostenerstattung für ästhetisch-rekonstruktive Eingriffe nach einem Unfall, die die Krankenkasse nicht übernimmt – z. B. Narbenkorrektur oder Zahnersatz nach Sturz.

💡 Oft als optionaler Baustein buchbar.

Ratgeber

Die Progression: So funktioniert der Leistungshebel

Die Progression ist das wichtigste Kriterium beim Vergleich von Unfallversicherungen. Sie bestimmt, wie viel Sie bei schweren Verletzungen tatsächlich erhalten.

Ohne Progression erhalten Sie bei 50 % Invalidität genau 50 % der Versicherungssumme. Mit einer Progression von 225 % steigt die Auszahlung überproportional: Bei 50 % Invalidität erhalten Sie bereits das 1,5-fache der Grundsumme, bei 100 % Invalidität sogar das 2,25-fache.

Bei einer Progression von 350 % erhalten Sie bei vollständiger Invalidität das 3,5-fache der Grundsumme. Wer eine Versicherungssumme von 100.000 € wählt, erhält im schlimmsten Fall also bis zu 350.000 €.

📌 Unsere Empfehlung

Wählen Sie mindestens 225 % Progression und eine Versicherungssumme von mindestens 100.000 €. Für Familien mit Kindern oder sportlich aktive Personen empfehlen wir 350 % Progression.

Beispiel: Versicherungssumme 100.000 €

InvaliditätsgradOhne Progression225 %350 %
25 %25.000 €31.250 €37.500 €
50 %50.000 €75.000 €100.000 €
75 %75.000 €150.000 €212.500 €
100 %100.000 €225.000 €350.000 €

Richtwerte – genaue Berechnung variiert je nach Versicherer und Tarif.

Ratgeber

Die Gliedertaxe: Invaliditätsgrade im Überblick

Die Gliedertaxe legt fest, wie hoch der Invaliditätsgrad bei Verlust oder vollständiger Funktionsunfähigkeit eines Körperteils bewertet wird. Sie ist die Grundlage für die Berechnung Ihrer Auszahlung.

Wie funktioniert die Gliedertaxe?

Erleidet ein Versicherter einen Unfall mit dauerhafter Beeinträchtigung, ermittelt der Arzt zunächst den medizinischen Invaliditätsgrad. Anschließend wird dieser mit dem in der Gliedertaxe festgelegten Wert verglichen – maßgeblich ist der höhere Wert.

Bei teilweisem Verlust oder eingeschränkter Funktion wird der Wert anteilig berechnet. Verliert jemand z. B. die Hälfte der Greiffunktion der Hand, wird der halbe Handwert (also 25 % statt 50 %) angesetzt.

Wichtig: Die Gliedertaxe-Werte sind Mindestwerte, die gesetzlich vorgeschrieben sind. Viele Versicherer bieten in ihren Tarifen verbesserte Gliedertaxen an, die höhere Invaliditätsgrade festlegen – ein wichtiges Qualitätsmerkmal beim Vergleich.

💡 Rechenbeispiel

Versicherungssumme: 100.000 €
Progression: 225 %
Verlust des linken Daumens: 20 %

Grundsumme100.000 €
Invaliditätsgrad20 %
Ohne Progression20.000 €
Mit 225 % Progression20.000 €
Auszahlung20.000 €

Bei 20 % Invalidität greift die Progression erst ab 25 % – daher hier identisch.

🦴

Gliedertaxe – gesetzliche Mindestwerte

Invaliditätsgrade bei vollständigem Verlust oder vollständiger Funktionsunfähigkeit

👋 Arm, Hand & Finger
KörperteilInvaliditätsgrad
Arm im Schultergelenk70 %
Arm bis Ellenbogen65 %
Arm unterhalb Ellenbogen60 %
Hand im Handgelenk55 %
Daumen20 %
Zeigefinger10 %
Mittelfinger7 %
Ringfinger5 %
Kleiner Finger5 %
🦵 Bein, Fuß & Zehen
KörperteilInvaliditätsgrad
Bein im Hüftgelenk70 %
Bein bis Mitte Oberschenkel60 %
Bein bis Kniegelenk50 %
Bein bis Mitte Unterschenkel45 %
Fuß im Fußgelenk40 %
Große Zehe5 %
Sonstige Zehe2 %
👁️ Sinnesorgane & weitere Körperteile
Körperteil / OrganInvaliditätsgrad
Auge (vollständiger Sehverlust)50 %
Gehör (ein Ohr)30 %
Gehör (beide Ohren)60 %
Geruchssinn10 %
Geschmackssinn5 %
Körperteil / OrganInvaliditätsgrad
Milz10 %
Niere20 %
Lunge (ein Flügel)25 %
Stimme (vollständig)30 %
Wirbelsäule (schwer)bis 70 %
🛡️

Verbesserte Gliedertaxe: Ein wichtiges Qualitätsmerkmal

Viele Premiumtarife bieten verbesserte Gliedertaxen, die höhere Invaliditätsgrade als die gesetzlichen Mindestwerte festlegen. So kann z. B. der Verlust eines Auges statt 50 % bis zu 70 % betragen. Beim Vergleich von Unfallversicherungen sollten Sie daher immer auch die Gliedertaxe prüfen – nicht nur den Beitrag.

ℹ️

Teilfunktionsverlust wird anteilig bewertet

Ist ein Körperteil nicht vollständig verloren, sondern nur in seiner Funktion eingeschränkt, wird der Invaliditätsgrad anteilig berechnet. Bei 50 % Funktionsverlust des Arms (Gliedertaxe: 70 %) ergibt sich ein Invaliditätsgrad von 35 %. Diese Berechnung erfolgt durch einen unabhängigen Gutachter.

Interaktiv

Auszahlungsrechner: Was würde ich erhalten?

Wählen Sie das betroffene Körperteil, den Grad des Funktionsverlusts sowie Ihre Versicherungssumme und Progression – und sehen Sie sofort die mögliche Auszahlung.

Ihre Angaben

Arm & Hand

Bein & Fuß

Sinne & Organe

100 % = vollständiger Verlust / vollständige Funktionsunfähigkeit

10 %50 %100 %
25.000 €250.000 €500.000 €

Mögliche Auszahlung

122.500 €

Einmalzahlung (Richtwert)

Berechnung im Detail

KörperteilArm im Schultergelenk
Gliedertaxe (Vollverlust)70 %
Funktionsverlust100 %
Effektiver Invaliditätsgrad70.0 %
Progression225 %
Grad nach Progression122.5 %
Versicherungssumme100.000 €
Auszahlung122.500 €

Hinweis: Dies ist eine Orientierungsrechnung auf Basis der gesetzlichen Gliedertaxe. Die tatsächliche Auszahlung hängt vom individuellen Tarif, einer ärztlichen Begutachtung und den Vertragsbedingungen Ihres Versicherers ab.

Zielgruppen

Für wen ist eine Unfallversicherung sinnvoll?

Eine private Unfallversicherung ist für viele Personengruppen unverzichtbar – besonders dort, wo der gesetzliche Schutz endet oder gar nicht erst greift.

👶

Kinder & Schüler

Besonders empfohlen
  • 70 % aller Kinderunfälle passieren in der Freizeit – dort greift die gesetzliche UV nicht
  • Gesetzlicher Schutz gilt nur auf dem Schulweg, in Schule, Kita und Vereinen
  • Kinder sind bewegungsfreudig und damit besonders unfall-gefährdet
  • Frühzeitiger Abschluss sichert günstige Prämien und lebenslangen Schutz
  • Viele Tarife bieten Kinderrabatte und beitragsfreie Mitversicherung bis 18 Jahre

Tipp: Kinder bis 18 Jahre können in vielen Tarifen beitragsfrei mitversichert werden.

👩‍💼

Selbstständige & Freiberufler

Dringend empfohlen
  • Kein gesetzlicher UV-Schutz bei Berufsunfällen – anders als bei Arbeitnehmern
  • Einkommensausfall bei Unfall trifft Selbstständige besonders hart
  • Keine Lohnfortzahlung, kein Krankengeld der gesetzlichen Unfallversicherung
  • Unfallrente als Einkommensersatz besonders wichtig
  • Kombination mit Krankentagegeld und BU-Versicherung empfohlen

Hinweis: Auch eine freiwillige Mitgliedschaft in der gesetzlichen Berufsgenossenschaft ist möglich.

🏋️

Sportlich Aktive & Hobbysportler

Risikoabhängig
  • Erhöhtes Unfallrisiko bei Kontaktsport, Radsport, Wintersport und Kampfsport
  • Viele Tarife schließen gefährliche Sportarten aus – auf Klauseln achten
  • Premiumtarife decken auch Extremsport (Klettern, Motorrad, Tauchen) ab
  • Sportinvalidität kann auch ohne Berufsunfähigkeit erhebliche Kosten verursachen
  • Bergungskosten bei Bergunfällen oft nur in speziellen Tarifen enthalten

Tipp: Nennen Sie Ihren Sport beim Abschluss, damit er explizit mitversichert ist.

👴

Rentner & Senioren ab 60

Häufig unterversichert
  • Sturzunfälle sind die häufigste Unfallursache im Alter
  • Gesetzliche UV endet mit dem Renteneintritt vollständig
  • Heilungszeiten sind länger, Folgekosten höher als bei jüngeren Versicherten
  • Pflegebedarf nach Unfall kann durch Unfallrente mitfinanziert werden
  • Kosmetische Operationen und Umbaukosten (Rollstuhlrampe etc.) absicherbar

Hinweis: Einige Versicherer begrenzen die Invaliditätsleistung ab einem bestimmten Alter – Bedingungen prüfen.

Auch für diese Gruppen besonders relevant

👨‍👩‍👧‍👦

Familien

Eine Familienpolice sichert alle Haushaltsmitglieder ab – oft günstiger als Einzelverträge. Besonders sinnvoll, wenn Kinder im Haushalt leben.

👨‍🔧

Handwerker & körperlich Tätige

Hohes Berufsunfallrisiko, aber gesetzliche UV deckt nur Arbeitsunfälle. Private UV schließt Freizeitunfälle und verbessert die Gesamtabsicherung.

🎓

Auszubildende & Studenten

Gesetzlicher Schutz gilt nur auf dem Ausbildungsweg und am Ausbildungsort. Freizeitunfälle sind nicht abgedeckt – eine private UV füllt diese Lücke.

⚠️

Wann ist eine private Unfallversicherung weniger sinnvoll?

Wer bereits eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) abgeschlossen hat, ist bei dauerhafter Erwerbsminderung durch Unfall bereits gut abgesichert. Die BU zahlt auch bei Krankheit – die UV nur bei Unfall. Beide Produkte ergänzen sich jedoch, da die UV eine Einmalzahlung leistet, die BU eine monatliche Rente.

Wer ein sehr begrenztes Budget hat, sollte die BU priorisieren – sie bietet den umfassenderen Schutz. Die UV ist eine sinnvolle Ergänzung, aber kein vollwertiger Ersatz.

FAQ

Gliedertaxe & Invaliditätsleistung: Ihre Fragen beantwortet

Die Berechnung der Invaliditätsleistung wirft viele Fragen auf. Hier finden Sie ausführliche Antworten – von den Grundlagen bis zu besonderen Situationen.

Grundlagen
Berechnung der Auszahlung
Besondere Situationen
💡

Persönliche Beratung empfohlen

Die Berechnung der Invaliditätsleistung ist komplex und von vielen individuellen Faktoren abhängig. Gerne erklären wir Ihnen im persönlichen Gespräch, welche Versicherungssumme, Progression und Gliedertaxe für Ihre Situation optimal ist.

FAQ

Häufige Fragen zur Unfallversicherung

❓ Was gilt als Unfall im Sinne der Versicherung?

Ein Unfall liegt vor, wenn ein plötzliches, von außen auf den Körper einwirkendes Ereignis zu einer unfreiwilligen Gesundheitsschädigung führt. Krankheiten zählen nicht dazu.

❓ Zahlt die Unfallversicherung auch bei Sportunfällen?

In der Regel ja – außer bei bestimmten Extremsportarten (z. B. Motorrennsport, Freeclimbing). Prüfen Sie den Tarif auf entsprechende Ausschlüsse oder buchen Sie einen Zusatzbaustein.

❓ Wie wird der Invaliditätsgrad festgestellt?

Der Invaliditätsgrad richtet sich nach der sogenannten Gliedertaxe: Sie legt fest, wie hoch die Beeinträchtigung bei Verlust oder Funktionsunfähigkeit bestimmter Körperteile ist (z. B. Arm = 70 %, Bein = 70 %, Daumen = 20 %).

❓ Wann muss ich einen Unfall melden?

Unfälle müssen in der Regel innerhalb von 15 Monaten nach dem Unfall gemeldet werden, wenn eine Invalidität vorliegt. Melden Sie Unfälle daher frühzeitig bei Ihrem Versicherer.

❓ Brauche ich eine Unfallversicherung, wenn ich eine BU habe?

Beide Produkte ergänzen sich: Die BU zahlt bei Berufsunfähigkeit durch Krankheit oder Unfall, die UV zahlt eine Einmalleistung bei dauerhafter körperlicher Beeinträchtigung durch Unfall. Wer beides hat, ist optimal abgesichert.

❓ Ist die Unfallversicherung steuerlich absetzbar?

Beiträge zur privaten Unfallversicherung können als Sonderausgaben (Vorsorgeaufwendungen) steuerlich geltend gemacht werden – bis zu den gültigen Höchstbeträgen.

Noch Fragen? Wir beraten Sie persönlich – kostenlos und unverbindlich.

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