Am 8. Mai 2026 hat der Bundesrat das Gesetz zur Reform der privaten Altersvorsorge verabschiedet. Ab 1. Januar 2027 können Sparerinnen und Sparer in das neue Altersvorsorgedepot einzahlen – mit höherer Rendite, mehr Flexibilität und staatlicher Förderung. Aber Vorsicht: Die Verbraucherzentralen warnen bereits vor einer Verkaufswelle teurer Produkte. Was Sie jetzt wissen müssen – und was Sie besser abwarten sollten.
Es war eine lange überfällige Reform: Die Riester-Rente, 2002 eingeführt und seit Jahren wegen hoher Kosten, starrer Garantiepflichten und sinkender Attraktivität kritisiert, wird abgelöst. Am 8. Mai 2026 hat der Bundesrat dem Gesetz zur Reform der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge zugestimmt. Ab dem 1. Januar 2027 soll das neue Altersvorsorgedepot auf den Markt kommen – und damit eine neue Ära der staatlich geförderten Vorsorge beginnen. Für Millionen von Sparern in Deutschland stellen sich jetzt dringende Fragen: Was ist das Altersvorsorgedepot genau? Was passiert mit meinem Riester-Vertrag? Und lohnt sich ein Wechsel?
Was ist das Altersvorsorgedepot?
Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich gefördertes Wertpapierdepot, in das Sparerinnen und Sparer Aktien, Fonds und ETFs für das Alter anlegen können. Anders als bei der klassischen Riester-Rente gibt es keine Pflicht zur Beitragsgarantie – das Kapital kann also im Wert schwanken. Im Gegenzug sind deutlich höhere Renditen möglich, weil das Geld langfristig am Kapitalmarkt investiert wird. Hochspekulative Anlagen sind ausgeschlossen. Die Kapitalerträge werden in der Ansparphase nicht besteuert, was einen erheblichen Zinseszins-Vorteil schafft. Jeder Anbieter eines Altersvorsorgedepots muss auch ein sogenanntes Standarddepot anbieten – ein einfaches, kostengünstiges Produkt mit maximal 1,0 Prozent Effektivkostenquote pro Jahr.
Tipp
Das staatliche Standarddepot: Die Bundesregierung wird zusätzlich ein öffentlich verwaltetes Standardprodukt einführen. Der Bundesrat hat die Prüfung angeregt, ob die Deutsche Bundesbank die Vermögensverwaltung übernehmen könnte. Dieses Produkt soll eine einfache, verlässliche und günstige Option für alle sein – insbesondere für Menschen, die sich nicht intensiv mit Geldanlage beschäftigen möchten.
Die neue Förderung: Was der Staat dazugibt
Die staatliche Förderung des Altersvorsorgedepots ist gestaffelt und besonders für Geringverdiener und Familien attraktiv. Wer wenig einzahlt, erhält prozentual die höchste Förderung. Für Berufseinsteiger gibt es zusätzlich einen einmaligen Bonus von 200 Euro. Selbständige und Freiberufler sind erstmals ebenfalls förderberechtigt – das war bei Riester nicht möglich. Zusätzlich können Beiträge bis 1.800 Euro jährlich als Sonderausgaben steuerlich geltend gemacht werden.
- Grundzulage Stufe 1: Für jeden eingezahlten Euro bis 360 Euro/Jahr gibt der Staat 50 Cent dazu – maximale Zulage: 180 Euro
- Grundzulage Stufe 2: Für jeden Euro zwischen 360 und 1.800 Euro/Jahr gibt der Staat 25 Cent dazu – maximale Zulage: 360 Euro
- Maximale Grundzulage: 540 Euro jährlich (bei 1.800 Euro Eigenbeitrag)
- Kinderzulage: 300 Euro pro Kind und Jahr (bei Eigenbeitrag von 300 Euro/Jahr pro Kind)
- Berufseinsteiger-Bonus: Einmalig 200 Euro für Einsteiger unter 25 Jahren
Tipp
Rechenbeispiel Familie: Ein Elternpaar mit zwei Kindern zahlt 1.800 Euro Eigenbeitrag ein und erhält 540 Euro Grundzulage + 600 Euro Kinderzulage = 1.140 Euro staatliche Förderung. Das entspricht einer Förderquote von 63 Prozent auf den Eigenbeitrag – ein erheblicher Hebel, besonders bei langen Laufzeiten.
Altersvorsorgedepot vs. Riester: Die wichtigsten Unterschiede
Die Reform bringt grundlegende Veränderungen gegenüber dem bisherigen Riester-System. Wer einen bestehenden Riester-Vertrag hat, sollte die Unterschiede kennen, bevor er eine Entscheidung trifft.
- Garantiepflicht: Riester garantiert 100 % der eingezahlten Beiträge – das Altersvorsorgedepot hat keine Pflichtgarantie (optional: 80 % oder 100 % Garantie möglich, aber teurer)
- Anlagefreiheit: Riester ist oft auf bestimmte Fonds beschränkt – das Depot ermöglicht breite ETF- und Fondsauswahl
- Kosten: Riester-Produkte haben häufig hohe Verwaltungskosten – das Standarddepot ist auf 1,0 % Effektivkostenquote begrenzt
- Förderberechtigte: Riester war auf Pflichtversicherte beschränkt – das Depot fördert auch Selbständige und Freiberufler
- Auszahlung: Riester verlangte eine lebenslange Verrentung – das Depot erlaubt auch einen befristeten Auszahlplan bis mindestens 85 Jahre
- Anbieterwechsel: Ab 5 Jahren Laufzeit muss der Wechsel kostenfrei sein (vorher max. 150 Euro)
Was passiert mit meinem Riester-Vertrag?
Bestehende Riester-Verträge werden nicht automatisch gekündigt oder umgewandelt. Wer möchte, kann seinen Vertrag zu den bisherigen Konditionen unverändert weiterführen. Zusätzlich gibt es drei Optionen: Erstens können Bestandskunden ihren Riester-Vertrag in das neue Fördersystem überführen – die bisherige Förderung bleibt dabei erhalten, alle sonstigen Vertragskonditionen bleiben gleich. Zweitens ist ein vollständiger Wechsel in einen Neuvertrag nach den neuen Konditionen möglich. Drittens kann man den alten Vertrag beibehalten und erst kurz vor Rentenbeginn wechseln. Wichtig: Bis Ende 2026 können noch neue Riester-Verträge abgeschlossen werden. Der Mindestbeitrag für die volle Zulage beträgt bei Altverträgen nur 60 Euro – bei neuen Verträgen sind es 360 Euro.
Wichtig zu wissen
Vorsicht vor voreiligen Entscheidungen: Die Verbraucherzentralen warnen ausdrücklich vor einer bevorstehenden Verkaufswelle. Viele Anbieter werden ab sofort aggressiv neue Altersvorsorgedepot-Produkte vermarkten. Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen – das staatliche Standardprodukt ist noch nicht verfügbar. Es besteht kein Grund für übereilte Abschlüsse.
Die Kostenfalle: Worauf Sie unbedingt achten müssen
Die Kostenobergrenze von 1,0 Prozent Effektivkostenquote gilt nur für das Standarddepot. Daneben dürfen Anbieter auch teurere Produkte anbieten – mit Garantien, erweiterter Fondsauswahl oder zusätzlichen Betreuungsleistungen. Die Verbraucherzentrale warnt: Solche „Premium“-Produkte könnten Effektivkosten von 1,5 bis 2,5 Prozent oder mehr haben. Das klingt wenig, hat aber dramatische Auswirkungen: Bei einer Laufzeit von 40 Jahren und 6 Prozent Bruttorendite frisst eine Kostenquote von 1,0 Prozent bereits ein Drittel der Kapitalmarkterträge auf – durch den Kosten-Kosten-Effekt, der analog zum Zinseszins wirkt. Zusätzlich sollten Sie die steuerliche Seite beachten: Während der Ansparphase sind Erträge steuerfrei, aber die spätere Auszahlung wird mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert. Ein gewöhnliches ETF-Depot ohne Förderung kann in manchen Konstellationen vorteilhafter sein.
Tipp
Unser Rat: Warten Sie auf das staatliche Standardprodukt, bevor Sie einen neuen Vertrag abschließen. Vergleichen Sie dann das Standardprodukt mit privaten Angeboten – und lassen Sie sich von einem unabhängigen Makler beraten, der keine Provision für den Abschluss eines bestimmten Produkts erhält.
Wer profitiert am meisten?
Das Altersvorsorgedepot ist besonders attraktiv für drei Gruppen: Erstens für Familien mit Kindern, die durch die Kinderzulage von 300 Euro pro Kind eine sehr hohe Förderquote erreichen. Zweitens für Geringverdiener, die von der 50-Prozent-Förderung auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag profitieren – hier ist die staatliche Unterstützung proportional am größten. Drittens für Selbständige und Freiberufler, die bisher von der Riester-Förderung ausgeschlossen waren und nun erstmals Zugang zur staatlichen Altersvorsorge-Förderung erhalten. Weniger attraktiv ist das Depot für Gutverdiener, die bereits maximal in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen und keine Kinder haben – hier kann ein ungefördertes ETF-Depot steuerlich günstiger sein.
Zeitplan: Was wann passiert
- Bis 31. Dezember 2026: Neue Riester-Verträge können noch abgeschlossen werden
- Ab 1. Januar 2027: Neue Altersvorsorgedepots können abgeschlossen werden
- Ab 2027: Bestehende Riester-Verträge können in das neue Fördersystem überführt werden
- Staatliches Standardprodukt: Zeitpunkt noch offen (Bundesbank-Prüfung läuft)
- Anbieterwechsel kostenfrei: Ab 5 Jahren Vertragslaufzeit
Was Sie jetzt tun sollten
- Bestehenden Riester-Vertrag prüfen lassen: Lohnt sich Weiterbesparen, Systemwechsel oder Kündigung? Das hängt von Vertragsbeginn, Kosten, Förderstatus und verbleibender Laufzeit ab.
- Nicht unter Druck setzen lassen: Kein Handlungsbedarf bis Ende 2026 – das neue System startet erst 2027.
- Staatliches Standardprodukt abwarten: Es soll die günstigste Option werden. Vergleichen Sie es mit privaten Angeboten, bevor Sie abschließen.
- Selbständige: Jetzt informieren – erstmals Förderberechtigung prüfen und Strategie entwickeln.
- Unabhängige Beratung nutzen: Ein Makler, der keine Produktprovision erhält, kann neutral bewerten, ob das Depot, ein ETF-Sparplan oder eine andere Lösung für Sie am besten passt.
Fazit
Das Altersvorsorgedepot ist eine echte Chance – aber kein Selbstläufer. Die Reform schafft mehr Flexibilität, höhere Renditechancen und öffnet die staatliche Förderung für Selbständige. Gleichzeitig droht eine Verkaufswelle teurer Produkte, die die Vorteile der Reform zunichtemachen können. Der Schlüssel liegt in der richtigen Produktwahl und einer unabhängigen Beratung. Als Versicherungsmakler in Calw begleiten wir Sie durch die Reform: Wir prüfen Ihren bestehenden Riester-Vertrag, erklären Ihnen die neuen Optionen und helfen Ihnen, die für Sie optimale Entscheidung zu treffen – ohne Verkaufsdruck und ohne Produktprovisionen.
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