2024 kosteten Naturgefahren in Deutschland 4,4 Milliarden Euro – doch 41 % der Wohngebäude sind nicht gegen Überschwemmung und Starkregen versichert. Was jetzt politisch geplant ist, was eine Elementarschadenversicherung leistet und was sie kostet.
Im Sommer 2024 überschwemmte Hochwasser große Teile Süddeutschlands. Die versicherten Schäden allein durch Elementargefahren beliefen sich auf 2,6 Milliarden Euro – und das war nur der versicherte Teil. Denn rund 41 % der deutschen Wohngebäude haben keinen Schutz gegen Überschwemmung, Starkregen oder Erdrutsch. Wer in dieser Gruppe ist und dessen Keller vollluft, steht oft vor dem finanziellen Ruin.
Was ist eine Elementarschadenversicherung überhaupt?
Die Elementarschadenversicherung ist kein eigenständiges Produkt, sondern ein Zusatzbaustein zur Wohngebäude- oder Hausratversicherung. Sie deckt Schäden durch Naturereignisse ab, die in der Standard-Gebäudeversicherung nicht enthalten sind. Sturm und Hagel sind üblicherweise bereits in der Wohngebäudeversicherung mitversichert – für alles andere brauchen Sie den Elementarschutz.
- Überschwemmung: Wenn ein Gewässer über die Ufer tritt oder Starkregen das Grundstück überflutet
- Rückstau: Wenn Wasser aus der Kanalisation ins Haus drückt (nur mit funktionsfähiger Rückstausicherung versichert!)
- Erdbeben, Erdsenkung, Erdrutsch: Sofern naturbedingt, nicht durch Bautätigkeit verursacht
- Schneedruck: Wenn das Dach unter der Schneelast einbricht
- Lawinen: Schneemassen, die an Berghängen niedergehen
- Vulkanausbruch: In Deutschland selten, aber versicherbar
Wichtig zu wissen
Nicht versichert sind Sturmfluten (Küstengebiete), Grundwasserschäden, bei denen das Wasser nicht an die Oberfläche gelangt, sowie Schäden durch menschliche Einflüsse wie Bergbau. Lesen Sie die Bedingungen Ihres Vertrags genau – gerade beim Rückstau gibt es häufig Streit mit der Versicherung.
Die Zahlen: Wie groß ist das Risiko wirklich?
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat im April 2026 neue Zahlen veröffentlicht: 2025 verursachten Naturgefahren Schäden von 1,4 Milliarden Euro in der Sachversicherung. Das klingt nach einem ruhigen Jahr – und war es im Vergleich zu 2024 auch. Doch der GDV warnt ausdrücklich: Ruhigere Jahre dürfen nicht als Trend interpretiert werden. Seit 2002 kosten Elementarschäden (ohne Sturm und Hagel) die Versicherer durchschnittlich 2 Milliarden Euro jährlich. Und Europa erwärmt sich seit den 1980er-Jahren doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt.
Tipp
Nutzen Sie den kostenlosen Hochwassercheck des GDV unter gdv.de/hochwassercheck. Das Tool zeigt adressgenau, wie hoch das Überschwemmungsrisiko für Ihr Grundstück ist – unterschieden nach Flusshochwasser und Starkregen.
Regionale Unterschiede: Warum Baden-Württemberg Vorbild ist
Die Versicherungsquoten unterscheiden sich in Deutschland dramatisch. In Baden-Württemberg sind 94 % der Wohngebäude gegen Elementarschäden versichert – ein historischer Sonderfall: Bis 1993 gab es hier eine gesetzliche Pflichtversicherung. In den meisten anderen Bundesländern liegt die Quote weit darunter. Nordrhein-Westfalen hat 2024 erstmals die 60-Prozent-Marke überschritten. In Bremen sind es gerade einmal 23 %. Das zeigt: Wo Versicherungsschutz zur Pflicht wurde, ist er auch flächendeckend vorhanden.
Politische Debatte: Kommt die Pflichtversicherung?
Im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD (2025) steht, dass baldmöglichst alle Gebäudeversicherungen auch den Schutz gegen Extremwetterschäden enthalten sollen. Allerdings will die Bundesregierung ein sogenanntes 'Opt-out' prüfen: Hauseigentümer könnten den Elementarschutz also aktiv ablehnen. Die Bundesländer plädieren dagegen für eine echte gesetzliche Pflicht. Der Gesamtverband der Versicherer (GDV) hat im Dezember 2024 ein eigenes Modell vorgeschlagen: Neuverträge in der Wohngebäudeversicherung sollen automatisch den Elementarschutz enthalten – mit Opt-out-Möglichkeit und privatem Rückversicherer statt staatlicher Garantie.
Wichtig zu wissen
Kritiker wie die Organisation Urgewald halten das GDV-Modell für unsolidarisch und unnötig teuer. In Frankreich kostet der Pflichtschutz gegen Extremwetterschäden nur 42 Euro jährlich zusätzlich – möglich durch staatliche Rückversicherung und Solidarausgleich. In Deutschland verlangen Versicherer je nach Risikozone zwischen 60 und 1.200 Euro jährlich.
Was kostet eine Elementarschadenversicherung?
Die Prämie hängt von mehreren Faktoren ab: der Lage des Gebäudes (Risikozone nach ZÜRS), dem Gebäudewert, der Selbstbeteiligung und dem gewählten Anbieter. Als grobe Orientierung für ein Einfamilienhaus in einer normalen Risikozone (ZÜRS 1 oder 2): Der Elementarschutz kostet zwischen 60 und 300 Euro jährlich zusätzlich zur Wohngebäudeversicherung. In Hochrisikozonen (ZÜRS 3 oder 4, z. B. direkt am Fluss) können es 500 bis 1.200 Euro sein – oder der Versicherer lehnt den Antrag ab.
- ZÜRS 1 (geringstes Risiko, ca. 99 % aller Gebäude): 60–150 Euro jährlich
- ZÜRS 2 (leicht erhöhtes Risiko): 100–300 Euro jährlich
- ZÜRS 3 (hohes Risiko, z. B. Flussnähe): 300–800 Euro jährlich
- ZÜRS 4 (sehr hohes Risiko): 800–1.200 Euro jährlich oder Ablehnung
Tipp
Auch in ZÜRS-Zone 1 lohnt sich der Abschluss: Starkregen kann überall auftreten – auch weit entfernt von Flüssen und Seen. Der durchschnittliche Elementarschaden lag 2025 bei 4.700 Euro. Für 100 Euro jährlich ist das ein sehr günstiger Schutz.
Worauf Sie beim Abschluss achten müssen
Nicht jede Elementarschadenversicherung ist gleich. Die Bedingungen unterscheiden sich erheblich – und im Schadensfall kann das tausende Euro ausmachen. Folgende Punkte sollten Sie beim Vergleich prüfen:
- Rückstau: Ist er mitversichert? Und gilt das auch ohne Rückstausicherung im Keller?
- Selbstbeteiligung: Höhere Selbstbeteiligung senkt die Prämie, erhöht aber das Eigenrisiko
- Elementargefahren: Sind alle acht Gefahren (inkl. Schneedruck, Lawinen) enthalten?
- Grobe Fahrlässigkeit: Leistet die Versicherung auch bei grob fahrlässigem Verhalten?
- Unterversicherungsverzicht: Verzichtet der Versicherer auf die Unterversicherungseinrede?
- Neuwertentschädigung: Wird der Zeitwert oder der Neuwert des Gebäudes erstattet?
Was tun, wenn der Versicherer ablehnt?
Für Gebäude in Hochrisikozonen (ZÜRS 3 und 4) kann es schwierig sein, überhaupt einen Versicherer zu finden. Einige Anbieter lehnen Anträge für Objekte in direkter Flussnähe grundlegend ab. In diesem Fall gibt es mehrere Möglichkeiten: Erstens können spezialisierte Makler Zugang zu Versicherern haben, die solche Risiken übernehmen. Zweitens kann eine höhere Selbstbeteiligung die Versicherbarkeit verbessern. Drittens gibt es in einigen Fällen die Möglichkeit, nur einzelne Elementargefahren (z. B. Starkregen ohne Flusshochwasser) zu versichern.
Prävention: Was Sie selbst tun können
Versicherungsschutz ist wichtig – aber er ersetzt keine baulichen Schutzmaßnahmen. Wer präventiv handelt, kann nicht nur Schäden reduzieren, sondern oft auch günstigere Versicherungskonditionen erhalten. Besonders wirksam sind: eine funktionsfähige Rückstausicherung im Keller (Pflicht für den Versicherungsschutz bei Rückstau), wasserdichte Kellerfenster und -türen, eine Drainage rund ums Haus sowie die Vermeidung von Lagerung wertvoller Gegenstände im Keller.
Fazit
Die Elementarschadenversicherung ist für Hausbesitzer in Deutschland keine optionale Ergänzung mehr – sie ist angesichts des Klimawandels und zunehmender Extremwetterereignisse unverzichtbar. Ob die Bundesregierung eine Pflichtversicherung einführt oder nicht: Wer wartet, riskiert im Schadensfall seine finanzielle Existenz. Lassen Sie Ihre Situation von einem unabhängigen Makler prüfen – wir analysieren Ihre Risikozone, vergleichen alle relevanten Anbieter und finden den optimalen Schutz für Ihr Zuhause.
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